Tiergestützte Intervention professionell lernen
Unser Ausbildungskonzept verbindet fachliche Expertise mit praktischer Erfahrung. Wir sind überzeugt, dass jeder freundliche und lernmotivierte Hund im Therapieprozess und in der Begutachtung eingesetzt werden kann, solange dabei auf die Grenzen von Klientinnen, Patientinnen, Therapeut*innen und Tieren eingegangen wird.
Unser Ansatz
Unsere Erfahrung zeigt, dass schon die bloße Anwesenheit eines Tieres entspannt und das Vertrauensverhältnis fördert. Wir wollen einen möglichst niedrigschwelligen Einsatz der Hunde ermöglichen. In der praktischen Arbeit erreichen die Teams zunehmende fachliche Expertise. Daher setzen wir auf ein Stufenkonzept, das einen einfachen Einstieg und einen Lernprozess mit ständiger praktischer Erfahrung ermöglicht.
Voraussetzungen für die Ausbildung
Für Mensch-Hund-Teams:
- Der Hund muss einen friedlichen Charakter aufweisen und darf auch bei Stress keine aggressiven Impulse zeigen
- Er soll Freude an der menschenbezogenen Arbeit haben und über eine gute Grunderziehung verfügen
- Tier und Halter*in müssen harmonisch zusammenarbeiten können
- Die Halterinnen sind Ärztinnen, Psychiaterinnen, Diplom-Psychologinnen, Psychotherapeutinnen, Sozialpädagoginnen, Ergotherapeutinnen oder psychiatrische Fachpflegerinnen
- Langjährige therapeutische und/oder gutachterliche Erfahrung ist erforderlich
Das Stufenkonzept
Unsere Ausbildung folgt einem mehrstufigen Prozess, in dem die praktische Arbeit unter fachlicher Anleitung zentral ist:
Stufe 1a: Therapiehund – Präsenz
Der Hund ist in der Lage, die psychiatrische Arbeit stressfrei zu begleiten. Er ist anwesend und dabei ruhig, führt jedoch keine speziellen Interventionen durch. Eine Kontaktaufnahme wird in geeigneten Situationen bei Interesse des Tieres und erklärtem Wunsch der Klientinnen oder Patientinnen ermöglicht und begleitet, z.B. durch Begrüßung und Berührung.
Stufe 1b: Therapiehund – Präsenz/Gruppe
Der Hund ist in der Lage, Gruppentherapien oder Einsätze in der Gruppe stressfrei zu begleiten. Er ist in Gruppen anwesend und dabei ruhig, führt jedoch keine speziellen Interventionen durch. Die Grenzen des Hundes sind dabei strikt zu beachten. Die Gruppenteilnehmer*innen sind im Umgang mit dem Hund zu unterweisen.
Stufe 2a: Therapiehund – Interaktion
Der Hund geht regelmäßig in Interaktion mit geeigneten Patientinnen und Klientinnen. Die Mensch-Tier-Begegnungen werden begleitet und verschiedene Interaktionsformen gefördert (z.B. taktile Erfahrungen, nonverbale Kommunikation, gemeinsame Aktivitäten wie Kommandos üben oder Spielen). Die Beziehungserfahrungen werden reflektiert.
Stufe 2b: Therapiehund – Interaktion/Gruppe
Der Hund geht regelmäßig in Interaktion mit Patientinnen und Klientinnen in Gruppensituationen. Die Mensch-Tier-Begegnungen in der Gruppe werden begleitet und verschiedene Interaktionsformen gefördert (z.B. gegenseitige Begrüßung, Reaktionen auf Stimmungen in der Gruppe zulassen, entspannende Berührungen oder Aktivitäten wie die Ausführung von Kommandos). Die Beobachtungen und Beziehungserfahrungen werden in der Gruppe reflektiert.
Stufe 3a: Therapiehund – Intervention
Der Hund wird in schwierigen therapeutischen oder gutachterlichen Situationen gezielt als Türöffner oder Vermittler eingesetzt, um z.B. Ängste, Anspannung oder Agitiertheit zu lindern. Die Sicherheit des Tieres und notwendige Erholungspausen sind zwingend zu berücksichtigen.
Stufe 3b: Therapiehund – Intervention/Gruppe
Der Zusatz „Gruppe” wird Hunden und Halter*innen mit Gruppenerfahrung erteilt, wenn die Hunde stressfrei an Gruppen teilnehmen und in diesen auch in konflikthaften Situationen aktiv eingesetzt werden können. Die Sicherheit des Tieres und notwendige Erholungspausen sind zwingend zu berücksichtigen.
Der Ausbildungsweg
1. Workshops und Prüfungen
In Workshops mit Ärztinnen, Psychologinnen, Therapeutinnen und Hundetrainerinnen werden die nötigen Kenntnisse im Umgang mit dem Tier für den Einsatz in verschiedenen Bereichen geschaffen. Die Workshops schließen mit Prüfungen ab.
2. Praktische Erfahrung
Die Workshops und Prüfungen der nächsthöheren Stufen können erst absolviert werden nach einer definierten Zeitspanne (mindestens ein halbes Jahr), in der der Hund in der gutachterlichen und therapeutischen Arbeit eingesetzt wurde.
3. Intervision und Supervision
In der Praxisphase müssen mindestens 2 Intervisionen und eine Supervision wahrgenommen werden. Eine Bescheinigung über den Einsatz durch Institutionen (bei selbständigen Gutachter*innen eine fundierte Selbstauskunft mit Einsatzbericht) sind vorzulegen.
Unsere Leitlinien
Wir richten unsere Arbeit an folgenden Leitlinien aus:
- Wir arbeiten entsprechend der ethischen Grundsätze unseres Berufsstandes. Es gilt stets „Nil nocere” (Nicht schaden).
- Wir achten unsere eigenen und die Grenzen der Klientinnen, Patientinnen und Tiere.
- Das Wohl der Klientinnen/Patientinnen steht im Vordergrund.
- Wir motivieren unsere Tiere, überfordern sie jedoch nicht; wir schaffen geeignete Rückzugsorte für die Hunde und beachten tägliche Zeitgrenzen des aktiven Einsatzes.
- Die Arbeit fördert die Gesundheit der Klientinnen/Patientinnen und der Tiere.
- Die Klientinnen bzw. Patientinnen stehen im Mittelpunkt, das Tier muss sich zurückhalten können. Wir müssen erkennen, wann wir das Tier aus der Beziehung nehmen sollen.
- Die Verantwortung für das Gelingen der Beziehungsaufnahme und der Interaktionen tragen wir. Für Fehler unserer Hunde sind wir verantwortlich.
Besondere Vorteile für Mitglieder
Als Mitglied von Hilfe auf Pfoten e.V. haben Sie kostenlosen Zugang zu unseren Workshops und können an der gesamten Ausbildung teilnehmen. Sie werden Teil einer Gemeinschaft von Fachleuten, die sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen.
Wichtige Hinweise
- Bei der Arbeit in Institutionen des Gesundheitswesens sind die Regelungen der jeweiligen Einrichtung, insbesondere die hygienischen und versicherungsrechtlichen Vorgaben zu beachten.
- Ein Zertifikat unseres Vereins ersetzt nicht die Genehmigung der tiergestützten Therapie durch den Arbeitgeber.
- Für Fehler der Halter*innen übernehmen wir keine Haftung.
- Unsere Prüfungen ersetzen keinen amtlichen Wesenstest.
Interesse an der Ausbildung?
Wenn Sie mit Ihrem Hund Teil unserer professionellen Gemeinschaft werden möchten, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme:
E-Mail: info@hilfe-auf-pfoten.de
Adresse: Schwalbenweg 7, 91096 Möhrendorf
Gemeinsam machen wir tiergestützte Intervention in der ambulanten Psychiatrie zu einem anerkannten und wirksamen Therapiebaustein.